Schreiben an Herrn Ude, KVR, die Polizei etc. wegen der Sicherheit auf dem Oktoberfest

Das nachstehende Schreiben wurde von mir an Herrn Ude, die Polizei, das KVR, Frau Weishäupl, die Presse und an die Fraktionsvorsitzenden der im Landtag vertretenen Partein verschickt. 


         

                                                                Rauchverbot

                                                    Sicherheit auf der Wiesn 2010

 

München, 30.7.2010


Sehr geehrter Herr Ude,

mit größter Verwunderung habe ich zur Kenntnis genommen, dass die vom Stadtrat genehmigte Ausnahmeregelung für die Wiesn 2010 bzgl. „Rauchverbot in Bierzelten“ von den Festzelt-Wirten nun doch nicht in Anspruch genommen wird. Statt dessen ist vorgesehen, das totale Rauchverbot bereits in diesem Jahr mit der Androhung z.B. eines “Bierverbotes” durchzusetzen.

Alle von den Wiesn-Wirten bis zum Volksentscheid am 4. Juli vorgebrachten Argumente, warum ein totales Rauchverbot auf dem Oktoberfest in diesem Jahr noch nicht durchgesetzt werden könne, sind plötzlich hinfällig geworden.

Der Hintergrund für dieses Verhalten der Wirte dürfte klar auf der Hand liegen: Die Wiesn-Wirte wollen “ausprobieren”, ob ein Rauchverbot nicht auch ohne Schaffung von speziellen “Raucherbereichen” möglich ist. Die Wirte wollen das Geld für die dafür notwendigen Umbauten einsparen.

Gegen dieses Verhalten der Wiesn-Wirte erhebe ich im Namen von über 6.000 Mitgliedern der Interessengesellschaft „Fairness für Raucher“ schärfsten Protest, da dieses “Ausprobieren” unserer Meinung nach mit erheblichen und nicht ausreichend geprüften Sicherheitsrisiken verbunden ist.

Es kann nicht akzeptiert werden, dass die Wiesn-Wirte die mit der Durchsetzung eines totalen Rauchverbotes auf dem Oktoberfest entstehenden Sicherheitsprobleme, die durchaus mit einer Gefahr für Leib und Leben verbunden sein können, nicht ausreichend geprüft und gewürdigt haben.

Mit welchen fatalen Folgen dies verbunden sein kann, haben wir erst kürzlich anlässlich der Loveparade in Duisburg erleben können.

Ich bitte deshalb nachdrücklich, die für die Sicherheit auf dem Oktoberfest verantwortlichen Personen und Behörden, die Entscheidung der Wiesn-Wirte kritisch zu hinterfragen und insbesondere Antworten auf folgende Fragen einzufordern:

1. Was passiert, wenn in Bierzelten jemand zu rauchen anfängt und sich plötzlich Hunderte/Tausende diesem Verhalten anschließen?

Wie werden die Ordnungskräfte reagieren? Die Wiesn ist zwar ein gut organisiertes, fröhliches Volksfest, aber es wird insbesondere in Zelten viel Alkohol getrunken, was eventuell bei manchem Gast ein anderes Verhalten hervorruft.
Was wird passieren, wenn die Raucher nicht daran denken, mit dem Rauchen aufzuhören und sich immer mehr anschließen? Bestehen für diesen Fall ausreichend geprüfte Verhaltensregeln für die Ordnungskräfte/Bedienungen und sind diese hinreichend geschult? Ist eine Bedienung, die für den Service „Essen und Trinken“ verantwortlich ist, überhaupt für die Einhaltung von Ordnungsregeln zuständig?  
Ist eventuell sogar vorgesehen, die Raucher mit Gewalt aus dem Zelt zu werfen oder ihnen kein Bier mehr auszuschenken? Was passiert, wenn sich andere Besucher solidarisch erklären und dies verhindern wollen?
Wurden die ausländischen Besucher des Oktoberfestes im Vorfeld darüber informiert, dass auf der Wiesn plötzlich ein totales Rauchverbot gelten soll?

2. Ist ausreichend geprüft worden, wo sich Raucher aufhalten und wie sie sich verhalten sollen, wenn sie nach 1-2 Stunden das Zelt verlassen, um gemeinsam mit ihren Freunden vor dem Zelt zu rauchen und dann wieder an ihren Platz zurückkehren wollen?

- Ist sichergestellt, dass die Raucher wieder ins Zelt eingelassen werden?

- Werden die (teilweise reservierten) Sitzplätze freigehalten?

- Was passiert, wenn ein Raucher ins Zelt zurück will, weil er Kleidungsstücke zurückgelassen hat?

- Wie reagiert die Polizei, wenn sich vor jedem Festzelt 1.000-2.000 Raucher aufhalten und die Festzeltstraße plötzlich völlig verstopft ist?

- Ist geregelt, wie Sanitätsfahrzeuge und Ordnungskräfte durch diese vor den Bierzelten stehenden Menschenmassen gelangen können, um schnell bei Unfällen oder Streitigkeiten vor Ort zu sein?

- Ist geregelt, wie der normale Besucherverkehr durch die Festzeltstraße geleitet werden kann, ohne dass diese noch mehr verstopft wird?

Fragen über Fragen, die meiner Meinung nach von den Wiesn-Wirten weder ausreichend geprüft und somit auch nicht beantwortet wurden.

Alle mit der Sicherheit auf dem Oktoberfest zuständigen Personen/Behörden werden deshalb nachdrücklich dazu aufgefordert, diese Fragen im Vorfeld mit den Wiesn-Wirten abzuklären und klare Antworten bzgl. der Sicherheit der Besucher einzufordern.

Erforderlich ist auch, dass die Besucher des Oktoberfestes frühzeitig darüber informiert werden, wie sie sich anlässlich eines totalen Rauchverbotes auf dem Oktoberfest zu verhalten haben und welche organisatorischen Maßnahmen getroffen wurden, um die dargestellten Problemfälle zu vermeiden.

Es kann und darf nicht sein, dass das Profitdenken der Wiesn-Wirte über die Sicherheitsinteressen der Besucher gestellt wird.

Mit freundlichen Grüßen


Paul Mooser
Interessengemeinschaft “Fairness für Raucher”